
Manchmal gibt es Autos, die nicht einfach nur gebaut, sondern inszeniert werden. Der Delor.i.am gehört genau in diese Kategorie. Basis ist ein Mercedes-AMG GT 63 S 4MATIC+ 4‑Door Coupé, doch was daraus entstanden ist, sprengt jede übliche Tuning-Schublade. Das Projekt wurde als einmaliges Unikat aufgelegt – ein Automotive-One-Off, gedacht als rollende Visitenkarte für Design, Technik und eine klare Botschaft: Performance kann mehr als nur schnell sein.
Die Entstehungsgeschichte ist untrennbar mit der Kooperation zwischen einem bekannten Musiker und Mercedes-AMG verknüpft. Im Rahmen der Initiative „The Flip – Innovation for Purpose“ entstand dieses Einzelstück, das bei einem großen Rennwochenende in Miami 2022 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Ziel der Initiative ist es, jungen Menschen aus benachteiligten Verhältnissen besseren Zugang zu Bildung in den Bereichen Science, Technology, Engineering, Arts und Math zu eröffnen. Das Auto ist damit nicht nur Showcar, sondern Symbol für eine Idee, wie sich Leidenschaft für Technik mit gesellschaftlichem Anspruch verbinden lässt.
DeLorean-Anmutung: Warum der Delor.i.am so anders wirkt
Der Spitzname „Delor.i.am“ kommt nicht von ungefähr. Auf den ersten Blick weckt das Auto Erinnerungen an einen DeLorean, ohne ihn zu kopieren. Die Silhouette wirkt kantiger, das Auftreten futuristischer als beim serienmäßigen AMG GT 63. Große, nahezu flächig wirkende Räder im Monoblock-Design füllen die Radhäuser und unterstreichen den Eindruck eines Zeitreisemobils aus einem Paralleluniversum. Dazu passt der matte Silberton der Karosserie, der dem Fahrzeug eine fast technische, maschinenhafte Aura verleiht.
Wer genauer hinschaut, erkennt zahlreiche Anleihen aus der Mercedes-Welt. Die Front trägt statt klassischer AMG-Leuchten einen deutlich kantigeren Look mit Scheinwerfern, die an einen G‑Klasse-Kopf erinnern. Auf der Motorhaube finden sich Lufteinlässe, deren Layout an den legendären SLS AMG erinnert. So entsteht ein spannender Mix aus ikonischen Markenelementen, neu interpretiert in einer komplett eigenen Karosserieform. Unter der Hülle bleibt das Chassis des AMG GT 63 S erhalten, doch optisch wirkt der Delor.i.am wie ein neu gezeichnetes Fahrzeug.
Das wohl spektakulärste Detail: Zwei riesige Suicide-Doors
Unter all den Umbauten sticht ein Feature hervor, das den Charakter dieses Wagens am stärksten prägt: die Türlösung. Aus dem viertürigen Coupé wurde ein Zweisitzer-Look, zumindest auf den ersten Blick. Die ursprüngliche Vier-Tür-Architektur bleibt zwar im Unterbau erhalten, die sichtbare Karosserie wurde aber auf zwei gewaltige Türen umgestellt. Diese öffnen sich hinten angeschlagen, klassisch als „Suicide-Doors“ bekannt. Damit rückt der Delor.i.am in eine Designliga, die man sonst eher bei hochgradig exklusiven Konzeptfahrzeugen vermutet.
Für Enthusiasten bedeutet das ein völlig neues Einstiegsgefühl. Die großen Türöffnungen präsentieren das Interieur wie eine Bühne. Gerade bei Veranstaltungen, auf denen das Auto gezeigt wird, inszeniert jede Türbewegung den Innenraum wie eine eigene Show. Für Liebhaber außergewöhnlicher Fahrzeugkonzepte ist dieses Türlayout vermutlich das faszinierendste Detail am ganzen Auto. Es verbindet Retro-Anklänge an klassische Oberklasse-Limousinen mit einem futuristischen Coupé-Auftritt, der im Alltag wohl mehr Gesprächsthema als Transportlösung ist.
Design mit Botschaft: Bärenlogo statt Stern
Ein weiteres, sofort ins Auge fallendes Element ist das Emblem an der Front. Wo normalerweise der bekannte Mercedes-Stern thront, sitzt hier ein stilisierter Bärenkopf. Das Motiv stammt aus einer Mode- und Merchandising-Linie, die mit dem Projekt verknüpft ist. Der Bär soll sinnbildlich für den grollenden Sound des V8 stehen und gibt dem Auto eine eigenständige Identität – klar erkennbar, aber doch eng mit der Basis verknüpft.
Rund um das Fahrzeug finden sich zahlreiche individuelle Schriftzüge und Plaketten. Der Name „WILL.I.AMG“ taucht an verschiedenen Stellen auf, vom Exterieur bis in den Innenraum. So wird deutlich, dass es sich nicht um ein anonymes Design-Experiment handelt, sondern um ein sehr persönliches Statement. Gerade in der Szene der Markenfans dürfte dieser Ansatz für Gesprächsthemen sorgen: Hier wird die AMG-DNA nicht versteckt, sondern bewusst mit der Persönlichkeit des Auftraggebers verschmolzen.
Interieur: Zweifarb-Lounge mit viel Carbon
Im Innenraum setzt sich der Mix aus Sportlichkeit und Show-Effekt fort. Die Kabine ist in einem zweifarbigen Layout gehalten – Schwarz und Weiß dominieren und sorgen für starke Kontraste. Carbon-Zierteile ziehen sich durch das Cockpit und betonen den sportlichen Ursprung des Fahrzeugs. Trotz der radikalen Außenhaut bleibt der Luxuscharakter gewahrt: Der Delor.i.am inszeniert sich als Performance-Lounge, nicht als rohes Tracktool.
Die Individualisierung geht bis ins Detail. Logos und Schriftzüge finden sich etwa auf Lautsprecherabdeckungen und Fußmatten. Für Fans maßgeschneiderter Fahrzeuge ist dies genau der Punkt, an dem Emotion und Exklusivität zusammenlaufen: Ein Fahrzeug, das nicht nur in der Gesamtform, sondern auch in den kleinsten Details klar macht, dass es eben nur dieses eine Exemplar gibt. Für Sammler ist solche Konsequenz ein gewichtiges Argument, das weit über reine Leistungsspezifikationen hinausreicht.
4,0-Liter-V8 mit 630 PS: Bekannte AMG-Gewalt im Hintergrund
Technisch basiert der Delor.i.am auf einem der stärksten Serien-AMG-Modelle seiner Zeit. Unter der auffälligen Hülle arbeitet der bekannte 4,0‑Liter-V8 mit Biturbo-Aufladung, der im AMG GT 63 S 4MATIC+ 4‑Door Coupé 630 PS leistet, das entspricht rund 464 kW. Das Triebwerk ist seit Jahren für seine brutale Leistungsentfaltung und gleichzeitig hohe Alltagstauglichkeit bekannt. Für Fahrer, die Motorcharakter und Klang eines AMG schätzen, bleibt diese Stärke vollständig erhalten.
Die Kraft gelangt über eine 9‑Gang-Automatik an alle vier Räder. Das 4MATIC+ Allradsystem sorgt dafür, dass die Leistung auch unter widrigen Bedingungen nutzbar bleibt. Wer aus der AMG-Welt kommt, findet also vertraute Technik wieder: hohe Traktion, schnelle Gangwechsel und ein Antriebsstrang, der den Spagat zwischen Langstrecke und schneller Autobahnetappe beherrscht. Die Umbauten konzentrieren sich somit klar auf Design, Karosserie und Markenbotschaft; die fahrdynamische Basis bleibt unberührt und bietet das volle Spektrum der AMG-Performance.
Ein One-Off für eine Idee – nicht für die Großserie
Wichtig ist: Der Delor.i.am bleibt ein Einzelstück. Es gibt keine Serienfertigung, keine Kleinauflage, keine Bestellliste. Das macht den Wagen für Sammler natürlich besonders spannend, aber der eigentliche Mehrwert liegt an anderer Stelle. Das Auto fungiert als Botschafter für die Idee, junge Menschen an Technik, Design und kreative Berufe heranzuführen. Durch die Verbindung einer emotional aufgeladenen Marke mit einem extravaganten Einzelprojekt entsteht Aufmerksamkeit, die sich auf Bildungsinitiativen lenken lässt.
Für Automobilfans zeigt dieses Projekt, wie weit sich ein modernes Performance-Coupé ästhetisch treiben lässt, ohne seine technische Seele aufzugeben. Die Mischung aus DeLorean-Anmutung, ikonischen Mercedes-Elementen und radikaler Türarchitektur ist im Straßenbild einzigartig. Gleichzeitig bleibt unter der Hülle ein vollwertiger AMG GT 63 S mit 4,0‑Liter-V8, 630 PS und Allradantrieb, der alle Qualitäten seines Ausgangsmodells mitbringt.
Fazit zum Delor.i.am
Der Delor.i.am ist weniger ein klassisches Tuningfahrzeug, sondern eher eine fahrbare Designstudie mit klarem Zweck. Er zeigt, wie sich Marken- und Persönlichkeitsidentität in einem Automobil verdichten lassen – und wie ein bekanntes Modell zu einem einmaligen Unikat werden kann. Für Menschen, die Fahrzeuge nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern als Ausdruck von Kreativität und technischer Begeisterung sehen, ist dieses Auto ein faszinierendes Beispiel dafür, was heute möglich ist, wenn Serienplattform und Vision aufeinandertreffen.
Preis: Da es sich beim Delor.i.am um ein nicht verkäufliches Einzelstück handelt, wird kein offizieller Verkaufspreis genannt.
Bilder: Supercar Blondie



