Die Ferrari 250 GTE 2+2 der frühen 1960er Jahre steht für das Zusammentreffen von Stil, Raum und Rennsport-DNA in einem Fahrzeug, das als einer der ersten viersitzigen Serien-Ferraris den Begriff Grand Tourer prägte. Aus dieser Reihe ragt ein Exemplar besonders heraus: ein 1963er Series III-Modell, das in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert ist. Es trägt Matching-Numbers für Fahrgestell, Motor und Karosserie und ist das hundertste gebaute Series-III-Fahrzeug von insgesamt 300 – ein Status, der Provenienz und Seltenheit vereint. Die Farb- und Innenraumausstattung erzählen vom Wandel der Jahrzehnte: ursprünglich in Grigio Argento mit schwarzem Leder, später in klassischem Rot neu lackiert, bleibt das Auto ein Symbol italienischer Ästhetik und handwerklicher Perfektion.
Eine Geschichte, die das Auto atmen lässt

Die Historie dieses Ferrari liest sich wie die Chronik eines automobilen Lebens: 1963 in Maranello fertiggestellt und erstmals in Italien ausgeliefert, kam das Fahrzeug 1975 in den Besitz von John Hugenholtz, dem niederländischen Rennstrecken-Designer, der lange Jahre die Leitung am Circuit Zandvoort innehatte. Ein solcher Vorbesitzer verleiht dem Wagen eine besondere Aura: der Zusammenhang von Rennstreckenexpertise und Straßenkomfort prägt das Bild. Zwischen 1977 und 1978 wurde das Fahrzeug in den Niederlanden von Piet Roelofs restauriert und in die heute sichtbare rote Lackierung überführt. Später gehörte es zum Bestand des französischen Sammlers Marcel Petitjean, der es in dem Zustand beließ, in dem er es erworben hatte. Diese lückenlose und dokumentierte Geschichte ist ein Kernbestandteil der Faszination, die dieser 250 GTE ausstrahlt.
Dokumentation und Authentizität

Die zugehörige Historie ist hervorragend belegt: Werkspapiere aus Maranello, ein detailliertes Ferrari-Datenblatt, ein zeitgenössischer Magazinbericht (Het Automobiel, August 1981, Nr. 17) sowie die handschriftliche Historie von John Hugenholtz bilden ein geschlossenes Dokumentenensemble. Solche Unterlagen sind für Sammler und Kenner von unschätzbarem Wert, weil sie Herkunft, technische Spezifikationen und Restaurierungsmaßnahmen transparent machen. In diesem Fall ergänzen Berichte von Fachleuten die bildhafte Erzählung – ein Fahrzeug, das nicht nur durch sein Aussehen, sondern auch durch belegbare Herkunft überzeugt.
Technik, die begeistert

Unter der Haube arbeitet der berühmte Colombo-V12 mit 2.953 cm³ Hubraum, der rund 176,5 kW (240 PS) liefert und die typische, hohe Drehfreude der Reihen der 250er-Reihe mit sich bringt. Das Triebwerk wird über eine klassische Viergang-Schaltung mit zusätzlichem Overdrive angetrieben, die langstreckentaugliche Übersetzungen und entspanntes Fahren bei Autobahn-Tempo ermöglicht. Mit einem Leergewicht von etwa 1.450 kg und einer Reichweite, die dem Charakter eines komfortablen Gran Turismos entspricht, erreicht der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von rund 230 km/h. Diese Zahlen sind keine bloßen Daten, sie sind Ausdruck eines Konzepts: Leistung, Stil und Alltagstauglichkeit in einer Einheit.
Die Serie III: Fahrkomfort trifft Sportlichkeit

Ein besonders faszinierendes Merkmal des Series-III-Modells ist die Adoption der hinteren Schraubenfederung, die die zuvor verwendeten Blattfedern ersetzte. Dieser technische Wandel verbessert Fahrkomfort und Fahrdynamik gleichermaßen: Straßenglätte, Kurvenstabilität und das allgemeine Federungsverhalten gewinnen spürbar, ohne den klassischen Charakter des Fahrwerks zu verwässern. Für einen 2+2-Grand-Tourer bedeutet dies, dass lange Reisen mit Passagieren im Fond deutlich angenehmer werden, während die Vorderachsgeometrie und der kräftige V12 das sportliche Erbe bewahren. Gerade dieser Kompromiss aus Komfort und Dynamik macht die 250 GTE zu einem der vielseitigsten Ferraris seiner Zeit.
Erhaltungszustand und notwendige Maßnahmen

Das Fahrzeug wurde 2022 von seinem aktuellen Eigentümer erworben; seither stand es überwiegend ausgestellt und wartet auf eine Reaktivierung für den Straßenbetrieb. Technisch und karosserieseitig sind bei einer solchen Restaurationsaufgabe die typischen Details zu prüfen: in diesem Fall sind an den unteren Türbereichen erste Rostansätze dokumentiert, und das Auto benötigt vor der Wiederinbetriebnahme eine gründliche Durchsicht und Freigabe. Solche Arbeiten sind nicht allein Aufwand, sie sind auch Chance – eine Gelegenheit, Mechanik und Optik in Einklang zu bringen und das Fahrerlebnis auf den aktuellen Stand klassischer Zuverlässigkeit zu bringen.
Provenienz als Teil der Faszination
Mehr als nur Zahlen und Nennwerte: Die Verbindung zu Persönlichkeiten wie John Hugenholtz und Sammlern wie Marcel Petitjean verleiht dem Auto eine erzählerische Tiefe. Die rote, in den späten 1970er-Jahren aufgebrachte Lackierung, restaurierte Oberflächen und Matching-Numbers ergeben zusammen mit den Werkspapieren ein Bild, das Begehrlichkeiten weckt – nicht wegen eines Preisschilds, sondern wegen des kulturellen und technischen Erbes, das in Blech und Leder konserviert ist. Schon die Vorstellung, ein solches Automobil durch abwechslungsreiche Landschaften zu pilotieren, macht deutlich, warum historische Fahrzeuge heute noch Emotionen auslösen und Mobilitätsgeschichte lebendig erhalten.
Ein Traum von Mobilität
Für Liebhaber klassischer Automobile hat dieses Exemplar alles, was das Herz begehrt: die unverwechselbare Linienführung von Pininfarina, die sonore Stimme des Colombo-V12, die Praxisnähe eines echten 2+2 und eine lückenlos dokumentierte Herkunft. Selbst bei moderatem Kilometerstand strahlt ein solches Fahrzeug die Ruhe und Würde einer Konstruktion aus, die für Reisen geschaffen ist. Sollte es bei einer Auktion angeboten werden, bleibt es ein Gegenstand großer Träume – für das aktuelle Angebot bei RM Sotheby’s Paris 2026 liegt eine Schätzung von €200.000–250.000 (ca. $235.000–295.000; £175.000–220.000; CHF185.000–235.000) vor.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges



