Kaum ein Rennsport-Silhouettenbild ist so unverkennbar wie das des Lister-Jaguar Knobbly. Geboren aus der britischen Sports-Prototype-Epoche 1957–1958 und gezeichnet von Brian Lister, trägt er jenen Spitznamen wegen seiner markanten, muskulös gewölbten Aluminiumhaut. Das hier porträtierte Exemplar ist eine akribisch aufgebaute Continuation auf einem originalen Lister-Chassis mit lückenloser Historie bis zurück ins Jahr 1961. Es erscheint in Ecurie-Ecosse-Blau – eine Hommage an das Kennzeichen 341 SG. Frische FIA-HTP-Dokumente ermöglichen den Einsatz bei Veranstaltungen wie Goodwood Members’ Meeting und Le Mans Classic. Die Laufleistung beträgt 0 Kilometer, was auf ein technisch frisches, also gänzlich neu aufgebautes Fahrzeug hinweist, das dennoch den Geist der späten Fünfziger verkörpert.
Historie und Authentizität

Die Basis ist ein Periodenrahmen, der nach damaligem Verständnis als Ersatzchassis gedacht gewesen sein soll und Anfang der 1960er-Jahre in die Hände von Ian Headon gelangte. Repariert und vollendet wurde das Chassis von Nicholls Engineering; die Karosserie formten Fred Fairman und Ian Headon als präzise Rekreation. Die Linienführung (intern „650 HOD“) folgt dem Ur-Design, wirkt am Heck flacher und geschmeidiger und zeigt kleinere Radhausöffnungen. Der Rahmen trägt die Nummer IGH1; auf Wunsch kann eine Lister-„BHL“-Nummer beantragt werden. Ein langjährig geführtes Logbuch und die frischen FIA-HTP-Papiere untermauern die Glaubwürdigkeit. Das Auto steht in Northants, UK, ist für die Straße vorbereitet und zugleich startklar für historische Veranstaltungen – eine Synthese aus Dokumentation, Qualität und Einsatzfähigkeit.
Technik mit Seele

Im Herzen arbeitet der Jaguar-XK-Reihensechszylinder mit 3,785 Liter Hubraum. Hier präsentiert er sich mit Komponenten von Crosthwaite & Gardiner, inklusive des Wide-Angle-Zylinderkopfs. Die Ansaugung übernimmt ein Verbund aus Weber DCO3-Vergasern auf einem Crosthwaite-Saugrohr; eine Tilton-Kupplung bringt die Kraft an ein vollsynchronisiertes 4-Gang-Getriebe (Tom Seal TWR Kit). Ein 3,77er Power-Lok-Differenzial verteilt den Vortrieb an Lynx D-Type-Felgen. Mit rund 306 PS (228 kW) bei 5.500/min, etwa 900 Kilogramm Leergewicht und rund 275 km/h Höchstgeschwindigkeit trifft historische Authentizität auf Leistungsdaten. Girling-Scheibenbremsen rundum und die abgestimmte Peripherie ergänzen den Antrieb.
Die Faszination des Wide-Angle-Kopfes

Der Wide-Angle-Zylinderkopf verleiht dem XK-Sechszylinder größere Ventilwinkel, die das Atmen des Motors begünstigen. Die Weber DCO3-Vergaser liefern dazu den feinen Nebel – eine Kombination, die den Charakter des Knobbly prägt. Das Ergebnis ist eine elastische Kraftentfaltung mit dichter Textur, typisch für großvolumige Reihen-Sechszylinder. In Verbindung mit dem geringen Gewicht des Autos und der präzisen Gasannahme entsteht eine direkte Fahrerfahrung: Drehmoment von unten und Drehfreude oben.
Fahrwerk, Form und das berühmte Knobbly-Profil

Der Rahmen aus Stahlrohren trägt Aluminiumbleche – eine Leichtbaumethode der damaligen Zeit. Vorn arbeiten Doppelquerlenker mit Schraubenfedern, hinten eine De-Dion-Achse; das Zusammenspiel bietet Stabilität und Nachgiebigkeit. Die Scheibenbremsen von Girling sorgen für sichere Verzögerung. Visuell bleibt der Knobbly einzigartig: die Wölbungen über den Achsen, die geduckte Haltung, das fließende Heck. Die in Ecurie-Ecosse-Blau lackierte Karosserie unterstreicht die Aura. Details wie die eng anliegenden Radhauskanten und die Lynx D-Type-Räder betonen die Form, die Funktion folgt, mit britischer Eleganz.
Für Straße und die großen historischen Bühnen

Die frischen FIA-HTPs sind die Eintrittskarte zu Veranstaltungen wie Goodwood Members’ Meeting und Le Mans Classic, wo nicht nur Rundenzeiten, sondern auch Geschichten zählen. Optionen wie ein Überrollbügel oder ein Schnellverschlusslenkrad erlauben Anpassungen. Trotz seiner Renn-Genetik ist der Knobbly für die Straße vorbereitet – ein Gleichklang aus Alltagstauglichkeit und Historie. Verfügbar ist dieses Exemplar bei Besley Heritage Ltd. Mit 0 Kilometern auf dem Tacho wartet ein Fahrzeug, das erst noch seine Geschichte schreiben wird. Preis: ca. 290.000 Euro.
FAQ

1) Was bedeutet „Continuation“ in diesem Zusammenhang – und wie authentisch ist dieses Auto wirklich?
„Continuation“ heißt hier ein Aufbau, der eng am historischen Vorbild orientiert ist, auf einem periodenkorrekten Lister-Rahmen basiert und eine nachvollziehbare Geschichte bis mindestens 1961 mitbringt. Entscheidender Punkt ist die Dokumentation: Logbuch, Chassis-Nummer (IGH1) und die frischen FIA-HTP-Unterlagen stützen die Glaubwürdigkeit und die Einordnung als historisches Wettbewerbsfahrzeug. Gleichzeitig bleibt es ein neu aufgebautes Exemplar mit 0 Kilometern Laufleistung – also technisch frisch, aber mit zeittypischer Identität.

2) Wofür sind die FIA-HTP-Papiere so wichtig, und welche Türen öffnen sie konkret?
Die FIA-HTP-Papiere (Historic Technical Passport) klassifizieren das Fahrzeug technisch und dokumentieren seine periodengerechte Spezifikation. Das ist oft Voraussetzung für die Zulassung bei Events. Im Text werden Goodwood Members’ Meeting und Le Mans Classic als Beispiele genannt: Dort zählt Regelkonformität, Herkunft und Ausführung. Ohne HTP bleibt ein Auto oft ein Objekt – mit HTP wird es einsetzbar.

3) Was macht den Wide-Angle-Zylinderkopf am Jaguar-XK so besonders – spürt man das beim Fahren?
Der Wide-Angle-Kopf begünstigt das „Atmen“ des Motors durch Ventilwinkel und Auslegung. Zusammen mit den Weber DCO3-Vergasern entsteht eine Charakteristik mit elastischer Kraftentfaltung über ein breites Drehzahlband. Im Artikel wird das als Mischung aus Souveränität und Schärfe beschrieben: tragfähiges Drehmoment unten, freie Drehfreude oben. In einem Auto mit rund 900 kg Leergewicht wird das direkt erlebbar – analog und präzise.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges



