Der 1952 Jaguar C‑Type XKC 018 ist ein Automobil, das Geschichte atmet: Ein Fahrzeug, das einst neu gekauft wurde von Juan‑Manuel Fangio, dem fünfmaligen Formel‑1‑Weltmeister, und das im Laufe seines Lebens die Bühne von Buenos Aires bis Pebble Beach betreten hat. Sein erster Lebensabschnitt in Argentinien, gelenkt von José Millet, dem örtlichen Jaguar‑Händler, prägt die frühe Rennbiographie dieses C‑Types ebenso wie die späteren europäischen und amerikanischen Auftritte. Auffällig ist die außergewöhnliche Lackierung in Bronze mit silbernen Zierlinien – ein Unikat unter den C‑Types. XKC 018 verbindet die Aura klassischer Siegerrennen mit der Patina zahlreicher Einsätze; konserviert wurde es über Jahrzehnte so, dass sein Charakter als Rennwagen erhalten blieb und dennoch die Eleganz eines britischen Sportwagens der frühen 1950er Jahre ausstrahlt.
Vom Messestand in Brüssel zur Rennstrecke

Die Entstehungsgeschichte von XKC 018 beginnt exemplarisch: Auf dem Brüsseler Autosalon wurde der Wagen von Fangio entdeckt und noch im Oktober 1952 – zum halben Listenpreis – verkauft und nach Argentinien verschifft. Dort debütierte er 1953 in Rot‑Weiß lackiert auf dem Autódromo General San Martín und erreichte beim Rennen am 21. Juni einen dritten Platz. In den folgenden Jahren startete der Wagen in der 1000‑km‑Wertung von Buenos Aires, Bestandteil der Weltmeisterschaft für Sportwagen, wo technische Probleme die Rennergebnisse jedoch beeinträchtigten. Schon in dieser Frühphase zeigte sich die Doppelnatur des C‑Type: als kompromissloser Rennbolide und als Objekt intensiver Pflege und Umbauten, die seine Geschichte facettenreich machen.
Argentinische Jahre und Besitzerwechsel

In Argentinien blieb XKC 018 lange im Umlauf: Nach Fahrten für José Millet wechselte der Wagen 1956 zu Jorge Magnasco und später 1961 erneut in andere Hände, wo er zwischenzeitlich in den Farben von Ecurie Ecosse erschien. Mehr als drei Jahrzehnte blieb das Fahrzeug auf dem amerikanischen Kontinent verborgen, bis es 1983 in die Vereinigten Staaten gelangte. Diese Periode der wechselnden Lackierungen, Besitzer und Einsätze hinterließ Spuren, doch zugleich sorgte sie dafür, dass das Auto als aktives Rennfahrzeug weiterlebt – nicht als Museumsstück, sondern als gebrauchter Sportwagen mit Rennerfahrung, dessen Geschichte sich in jedem Blechknick und jeder Reparaturnarbe widerspiegelt.
Transatlantische Odyssee und behutsame Restaurierung

Die amerikanische Phase begann mit dem Sammler Bill Tracy, der Fangios Vorbesitz entdeckte; er ließ den Wagen einer Grundrestaurierung unterziehen und nutzte ihn in den folgenden 14 Jahren nur sparsam. Unter Tracy wurde XKC 018 wieder in Rot lackiert; später brachte Giorgio Acutis den Wagen zurück zur ursprünglichen Bronze‑Lackierung und fuhr ihn in der Mille Miglia. Diese Rückkehr zu den historischen Farben ist mehr als kosmetisch: Sie ist ein Akt der Erinnerungspflege, der den ursprünglichen Charakter des C‑Type würdigt. In dieser Zeit wurden Originalchassis‑Teile und der Motor ebenso geschätzt wie die Renngeschichte – eine Kombination, die den Wagen für Sammler und Historiker attraktiv macht.
Rückkehr nach Europa und sportliche Glanzlichter

2007 brachte die Rückkehr nach Großbritannien durch den Sammler Bill Ainscough XKC 018 wieder in die Nähe seiner Herkunft. Markenfachleute vereinten die originalen Karosseriebleche mit dem originalen Motor E1018‑8, sodass das Auto in hoher Authentizität erscheinen konnte. Ab diesem Punkt begann eine neue Rennkarriere auf historischen Veranstaltungen: Siege und Podiumsplätze bei Le Mans Classic, Monaco Historique, Spa Six Hours und Silverstone Classic festigten den Ruf dieses C‑Type als eines der schnelleren Exemplare seiner Baureihe. Die Kombination aus originaler Technik und aktivem Renneinsatz machte XKC 018 zu einem modernen Klassiker, der die Brücke schlägt zwischen Nostalgie und Performance.
Rennpalmarès und heutiger Ruf

Die sportlichen Erfolge des Wagens umfassen den historischen dritten Platz in Buenos Aires sowie zahlreiche Siege bei internationalen Revival‑Events, darunter Goodwood, und Auftritte bei prestigeträchtigen Treffen wie Pebble Beach und der Mille Miglia. Diese Liste erklärt, warum XKC 018 heute als eines der beständigsten C‑Types gilt. Die Rennkarriere in der Gegenwart, getragen von engagierten Fahrern und Kennern, hat dem Wagen ermöglicht, seine Leistungsfähigkeit und Renntauglichkeit über Jahrzehnte hinweg zu bewahren.
Technik, Form und die Magie der Aerodynamik

Technisch ist der C‑Type ein Beispiel britischer Ingenieurskunst: Ein 3,4‑Liter‑Reihen‑Sechszylinder mit Doppelnockenwellen, rund 200 PS (≈147 kW) und Vergaseranlage, gepaart mit einem stabilen Rohrrahmen und einer aerodynamischen Aluminiumkarosserie. Besonders faszinierend ist die Symbiose aus Rahmen und Form, entworfen von William Heynes und Malcolm Sayer: Die leichte, geschmeidig geformte Aluminiumhaut ist nicht nur ästhetisch, sie ist funktional — auf Rennstrecken entwickelte Strömungsführung und geringes Gewicht erlaubten Spitzengeschwindigkeiten, die das Auto zur Legende machten. Diese Kombination aus leichter Bauweise und klarer Formensprache demonstriert, wie Mobilität, Ingenieursgeist und Design zusammenwirken, um Geschwindigkeit fühlbar und elegant zugleich zu machen.
Der Reiz für Sammler und ein letzter Blick

Heute steht XKC 018 für eine direkte Verbindung zu Fangio, für die Überlieferung als Rennwagen, für die sorgsame Wiedervereinigung von Originalteilen und Motor. Der jüngste bekannte Besitzer, Jenson Button, hat das Auto weiterhin auf renommierten Veranstaltungen bewegt, zuletzt bei großen Revival‑Rennen, was die lebendige Tradition fortschreibt. Auch ohne exakte Kilometerangabe erzählt der Zustand des Motors E1018‑8 und die dokumentierte Rennhistorie von intensiver Pflege und Einsatzbereitschaft. Für Enthusiasten ist es ein Objekt — nicht als bloßes Exponat, sondern als fahrende Legende, die die Leidenschaft für klassische Mobilität in jedem Tourist‑Tritt, jeder Kurvenlage und jedem beschleunigten Geradeauslauf neu entfacht.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges



