Frontansicht eines blauen Dodge SUV auf einer Straße mit kahlen Bäumen im Hintergrund
Der neue Dodge SUV vor herbstlicher Kulisse auf einer ruhigen Straße (Foto: Hersteller)

Stellantis investiert 13 Milliarden Dollar in die USA

Stellantis investiert 13 Milliarden Dollar in die USA

Wenn ein Traditionskonzern wie Stellantis einen zweistelligen Milliardenbetrag in einen einzigen Markt pumpt, ist klar: Hier geht es um mehr als nur um Modellpflege. Für Autofans in Europa wirkt eine reine US-Investition auf den ersten Blick weit weg, doch gerade Liebhaber von Jeep, Ram, Dodge oder Chrysler wissen, dass viele der spannendsten Produkte aus genau diesem Umfeld entstehen. Die angekündigten 13 Milliarden Dollar fließen in neue Fahrzeuge, moderne Antriebe und ausgebauten Fertigungskapazitäten – und damit indirekt auch in das, was auf hiesigen Straßen ankommt.

Fünf neue Fahrzeuge und 19 Produktmaßnahmen im Fokus

Zwei Dodge SUV-Fahrzeuge, eines gelb, eines blau, in einer Halle mit industriellem Hintergrund
Dodge SUVs als Beispiele für US-amerikanische Investitionen und Modelloffensive von Stellantis (Foto: Hersteller)

Im Zentrum des Programms stehen fünf komplett neue Fahrzeuge, die in den kommenden vier Jahren in wichtigen Segmenten an den Start gehen sollen. Parallel dazu plant Stellantis 19 weitere Produktmaßnahmen in Form von Facelifts und Technik-Updates über das gesamte US-Werknetz hinweg. Für Enthusiasten bedeutet das eine Verdichtung des Angebots: mehr Varianten, modernere Technik und vor allem eine breitere Auswahl bei SUVs, Pick-ups und großen Limousinen. Besonders interessant ist dabei, dass die jährliche Fahrzeugproduktion in den USA um rund 50 Prozent steigen soll – ein klares Bekenntnis zur Hardware, während andere Hersteller primär über Software sprechen.

Jeep Cherokee und Compass: Rückkehr einer Ikone

Schwarzes Dodge-Auto-Rad und roter Bremssattel im Nahaufnahme
Detailaufnahme eines schwarzen Dodge-Rads mit rotem Bremssattel (Foto: Hersteller)

Ein Kernstück der Investitionen ist die Wiederbelebung des Werks in Belvidere im US-Bundesstaat Illinois. Dort soll Stellantis mehr als 600 Millionen Dollar investieren, um künftig wieder den Jeep Cherokee und zusätzlich den Jeep Compass für den US-Markt zu bauen. Geplant ist der Produktionsstart ab 2027, verbunden mit rund 3.300 neuen Arbeitsplätzen. Für Jeep-Fans hat der Cherokee seit Jahrzehnten einen besonderen Klang: Er steht für robuste Geländegängigkeit, eine ehrliche Formensprache und Alltagsnutzen, der auch abseits des Asphalts funktioniert. Die Kombination mit dem Compass als kompakterem Bruder verspricht ein breites Jeep-Spektrum – von der familiären Alltagstauglichkeit bis zum Freizeit-Offroader.

Neuer Midsize-Pick-up: Mehr Flexibilität für Truck-Fans

Blauer Dodge SUV fährt auf einer Landstraße an blühenden Bäumen vorbei.
Der Dodge Durango als Beispiel für die Modernisierung amerikanischer SUVs durch Stellantis. (Foto: Hersteller)

Pick-ups sind längst nicht mehr nur Arbeitsgeräte, sondern zu Lifestyle-Fahrzeugen geworden. Stellantis reagiert darauf mit einem komplett neuen Midsize-Truck, der im traditionsreichen Toledo Assembly Complex in Ohio laufen soll. Fast 400 Millionen Dollar fließen in die Verlagerung dieses Projekts nach Toledo, wo bereits Jeep Wrangler und Jeep Gladiator vom Band rollen. Der neue Truck dürfte sich genau zwischen handlichem Maß und hoher Nutzlast einsortieren – ein Format, das auch in Europa immer interessanter wird, weil solche Fahrzeuge Freizeit und Beruf elegant verbinden. Die geplante Produktionsaufnahme 2028 und mehr als 900 zusätzliche Jobs zeigen, welches Gewicht Stellantis diesem Segment beimisst.

Große SUVs: Range-Extended-EV trifft Verbrenner

Elektroauto wird mit einem Ladekabel an einer Ladesäule geladen
Detailansicht eines blauen Elektroautos beim Laden an einer Ladestation (Foto: Hersteller)

Besonders spannend für Technikinteressierte ist der Blick nach Warren in Michigan. Dort entsteht mit einem Investment von knapp 100 Millionen Dollar die Basis für einen völlig neuen großen SUV, der sowohl als Range-Extended-Elektrofahrzeug als auch mit klassischem Verbrennungsmotor angeboten werden soll. Diese Doppellösung ist ein Beispiel dafür, wie sich Stellantis auf Kunden vorbereitet, die Reichweitenangst vermeiden wollen, aber dennoch von elektrifiziertem Fahren profitieren möchten. Der Range-Extender kombiniert lokal emissionsarmes Fahren im Alltag mit einem zusätzlichen Verbrenner, der die Batterie bei Bedarf nachlädt und lange Strecken ohne Ladepause ermöglicht. Gerade für Fans großer SUVs, die regelmäßig lange Urlaubsfahrten unternehmen oder schwere Anhänger ziehen, ist das ein technisch schlüssiger Ansatz.

Dodge Durango: Nächste Generation des US-SUV-Klassikers

Cockpit und Innenraum eines modernen Stellantis-Fahrzeugs mit großem Display
Innenansicht eines aktuellen Modells von Stellantis mit digitalem Cockpit (Foto: Hersteller)

Auch der Dodge Durango bekommt durch das Programm eine klare Zukunftsperspektive. In Detroit investiert Stellantis rund 130 Millionen Dollar, um das Werk für die nächste Generation des Durango vorzubereiten, dessen Produktionsstart für 2029 vorgesehen ist. Für Freunde klassischer US-SUVs ist das ein wichtiges Signal: Der Durango steht traditionell für kräftige Motoren, üppige Platzverhältnisse und eine Prise Muscle-Car-DNA im Familienformat. Die Neuauflage dürfte all das mit modernen Assistenzsystemen, aktualisierten Antrieben und verfeinertem Fahrkomfort verbinden.

GMET4 EVO: Vierzylinder als strategischer Baustein

Einen besonderen technischen Reiz bietet der neue Vierzylinder-Motor GMET4 EVO, der künftig in mehreren Werken in Kokomo im Bundesstaat Indiana gefertigt werden soll. Mehr als 100 Millionen Dollar fließen in die Anlagen, dazu kommen über 100 neue Arbeitsplätze. Hinter der nüchternen Bezeichnung verbirgt sich ein strategisch wichtiger Baustein für die kommenden Jahre: ein effizienter, moderner Vierzylinder, der in zahlreichen Modellen und Karosserievarianten eingesetzt werden kann – von kompakten SUVs über sportliche Limousinen bis hin zu leichten Nutzfahrzeugen.

Auswirkungen auf den globalen Markt

Auch wenn die Investitionen formal auf den US-Markt abzielen, haben sie mittelbar Einfluss auf andere Regionen. Plattformen, Antriebe und Elektronik-Architekturen lassen sich in der Regel weltweit nutzen. Damit steigen die Chancen, dass bestimmte Technikbausteine – vom GMET4-EVO-Vierzylinder bis zu Komponenten des Range-Extended-Systems – später auch in Modellen auftauchen, die für Märkte wie Europa ausgelegt sind. Für die Fans klassischer US-Marken hierzulande ist das eine gute Nachricht: Je stärker die Basis im Heimatmarkt, desto breiter ist in der Regel das Portfolio an Importmodellen und Spezialvarianten, die auch diesseits des Atlantiks angeboten werden können.

Bilder: Stellantis