Es gibt Formen, die Zeit überdauern. Der Jaguar E‑Type gehört dazu – und das hier porträtierte 2+2 Coupé der Series 2 aus dem Jahr 1970 erinnert daran, warum. Zwischen 1961 und 1974 gebaut, markierte die 1968 eingeführte Series 2 eine behutsame Weiterentwicklung. Das längere 2+2-Chassis brachte zwei Notsitze mit sich, ohne den dramatischen Schwung der Silhouette zu opfern. Dieses Exemplar, in Sable außen und Cinnamon innen, wurde im Juni 1970 fertiggestellt und von Henlys in London ausgeliefert. Es handelt sich um ein rechtsgelenktes, matching-numbers Fahrzeug in Special-Equipment-Spezifikation – ein letzter Gruß der klassischen britischen Reihensechser-Ära in Heimmarktausführung, untermauert durch ein Zertifikat der Jaguar Daimler Heritage Trust.
Serie II im Detail: Design mit Zweck

Die Series 2 verfeinerte das E‑Type-Rezept, ohne dessen Essenz zu verwässern. Offene Scheinwerfer ersetzten die zuvor verglasten Einheiten, größere Blinker setzten klare Signale, und die Rückleuchten wanderten unter den Stoßfänger. Der umlaufende Chromstoßfänger hinten rahmt die lange Heckpartie elegant ein. Der 2+2‑Radstand schafft Platz und Ruhe, was man auf langen Etappen sofort spürt. Mit rund 4,69 m Länge, 1,66 m Breite und 2,67 m Radstand wirkt das Coupé ausgewogen, sein Leergewicht liegt bei etwa 1.422 kg. Dieser Aufbau ist bei diesem Fahrzeug durch eine gründliche Karosserieinstandsetzung mit neuen Schwellern und Böden strukturell gesund – Rost ist hier kein Thema. Ein elektrisches Webasto-Schiebedach fügt eine angenehme, periodenkorrekte Note hinzu, die Belüftung und Helligkeit in den edlen, originalgetreu gehaltenen Innenraum bringt.
Reihensechser, 210 PS: die Essenz des E‑Type

Unter der langen Haube arbeitet der 4,2‑Liter-Reihensechszylinder (4.235 cm³), in der Series 2 mit etwa 154,5 kW (≈210 PS) und 384 Nm Drehmoment angegeben. Werte, die – in Verbindung mit dem moderaten Gewicht – für eine Beschleunigung von etwa 0–100 km/h in 7,5 s und eine Spitze von rund 229 km/h reichen. Ein Gran-Turismo-Tempo, das zum Format passt. Bei diesem Exemplar wurde die Atemtechnik des Motors geschärft: ITG-Hochleistungsansaugung, neu bedüste SU‑Vergaser, keramisch beschichtete Krümmer sowie ein Edelstahlabgassystem. Der Zylinderkopf wurde geplant und mit verstärkter Dichtung aufgebaut, die Kühlung aufgerüstet, die Zündung elektronisch modernisiert und ein vorkuppelnder Anlasser verbaut. All dies verbessert Startwilligkeit, Temperament und Standfestigkeit – begleitet von jenem seidigen Sechszylinderklang, der nie aufdringlich, aber stets präsent ist. Der Praxisverbrauch liegt standesgemäß bei etwa 16,6 l/100 km.
Faszination Overdrive im Jaguar E‑Type 2+2

Das faszinierendste Detail dieses 2+2 ist der nachgerüstete Laycock de Normanville Overdrive. Dank des längeren 2+2-Chassis technisch sinnvoll realisierbar, senkt er auf der Langstrecke die Drehzahlen spürbar: Bei etwa 137 km/h liegen rund 2.500 U/min an – eine Übersetzung, die den E‑Type vom Sportwagen mit Renn-Genen zum souveränen Grand Tourer macht. Das serienmäßige Viergang-Getriebe bleibt die taktile, analoge Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine; optional gab es damals auch eine Dreigang-Automatik, doch die manuelle Schaltung passt perfekt zum Charakter. Bei diesem Wagen wurden Getriebe und Differential überholt, was Schaltpräzision und Laufruhe auf ein zeitgemäß hohes Niveau hebt. So entstehen jene entspannten Etappen, auf denen Route und Rhythmus wichtiger werden als der nächste Tankstopp – das Wesen des Reisens im besten Sinne.
Fahrwerk, Substanz und die Kunst des Feintunings

Ein klassischer Gran Turismo lebt von Balance. Neue Fahrwerks- und Lenkungslager sorgen hier für definierte Reaktionen, die nun starr montierte Zahnstangenlenkung steigert die Rückmeldung, und Boge‑Stoßdämpfer bringen Ruhe in Vertikalbewegungen. Die strukturelle Basis stimmt: umfangreiche Karosseriearbeiten haben die Substanz gesichert und Korrosion beseitigt. Mechanisch wurde ebenso gewissenhaft vorgegangen: Neben Getriebe und Achsantrieb wurde das thermische Regime optimiert. Innen blieb der Stil authentisch, partiell neu beledert und gedämmt – unauffällige Dynamat-Schalldämmung reduziert Dröhnfrequenzen und steigert den Reisekomfort, ohne die historische Atmosphäre zu verwässern. Die Motorhaube erhielt zuletzt eine frische Lackierung, wodurch die lange Nase des E‑Type in der Farbe Sable noch satter wirkt.
Historie mit Stempel: gebaut, dokumentiert, bereit

Gefertigt im Juni 1970, rechts gelenkt und von Henlys in London ausgeliefert, trägt dieses Coupé die begehrte Heimmarkt-Spezifikation – dokumentiert durch ein Zertifikat der Markenstiftung. Der Besitz seit 2018 durch einen erfahrenen E‑Type‑Kenner mit Rallye-Hintergrund erklärt die Zielrichtung der Arbeiten: Originalität dort bewahren, wo es zählt, und diskret optimieren, wo es sinnvoll ist. Mehr als 60.000 Pfund flossen in die Restaurierung bei renommierten Spezialisten, was die Qualitätsanmutung im Detail bestätigt. Bemerkenswert ist die Einsatzhistorie: Targa Florio Classica, Modena Cento Ore und Gran Premio Nuvolari stehen als reguläre Gleichmäßigkeitsveranstaltungen im Fahrtenbuch – Beleg für Zuverlässigkeit, Hitzeresistenz und gutes Setup im harten Alltag klassischer Rallyes.
Rar und begehrt – und aktuell erhältlich

Die nackten Zahlen unterstreichen den Reiz: Von 1969 bis 1971 entstanden für den britischen Heimmarkt nur 1.040 rechtsgelenkte Series‑2‑Coupés in 2+2‑Ausführung; heute sind davon weniger als 130 bei der DVLA registriert. Dieses Exemplar vereinigt die gesuchte Farbkombination Sable/Cinnamon, matching numbers, solide Substanz und sorgfältige, reversible Upgrades – inklusive Overdrive, der das Reisetempo in eine entspanntere Drehzahl legt. Damit zeigt der Jaguar E‑Type Series 2 2+2, wie sich Sportlichkeit und Gran‑Turismo‑Kultur nicht ausschließen, sondern steigern. Wer die Eleganz der späten Sechszylinder‑E‑Types schätzt, findet hier eine seltene, glaubwürdige Antwort auf die Frage, wie man heute klassisch mobil sein möchte. Der Wagen wird in Northamptonshire angeboten.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges
FAQ
1) Was macht die Series 2 (und speziell das 2+2‑Coupé) gegenüber der Series 1 so interessant?
Die Series 2 ist keine Revolution, sondern eine gezielte Weiterentwicklung: Details wie die offenen Scheinwerfer, größere Blinker und anders platzierte Rückleuchten verändern den Look, ohne die ikonische Linie zu verlieren. Beim 2+2 kommt der längere Radstand hinzu – er schafft mehr Platz, beruhigt das Fahrgefühl auf langen Strecken und macht den E‑Type spürbar grand‑touring‑tauglicher. Die zwei zusätzlichen Sitze sind eher Notsitze, erhöhen aber die Alltagstauglichkeit (Gepäck, Kinder, kurze Distanzen). Wer den klassischen E‑Type‑Charakter will, aber mehr Reisekomfort sucht, findet hier den stimmigen Mittelweg.
2) Sind die beschriebenen Upgrades (Ansaugung, Zündung, Kühlung, Overdrive) eher „Tuning“ oder sinnvolle Optimierung?
In diesem Kontext wirken die Maßnahmen eher wie „diskrete Modernisierung“ als Show‑Tuning: Eine optimierte Ansaugung, korrekt bedüste Vergaser und eine elektronische Zündung verbessern Startverhalten und Laufkultur, besonders wenn man das Auto regelmäßig bewegt. Aufgerüstete Kühlung und ein vorkuppelnder Anlasser zahlen auf Zuverlässigkeit ein – entscheidend bei längeren Touren oder Rallye‑Etappen. Das Highlight ist der Laycock de Normanville Overdrive: Er senkt Drehzahl und Geräuschniveau bei Reisetempo deutlich und macht den Wagen entspannter, ohne das klassische Viergang‑Gefühl zu zerstören. Wichtig bleibt, dass Eingriffe sauber dokumentiert und möglichst reversibel sind.
3) Worauf sollte man beim Kauf eines E‑Type Series 2 2+2 wie diesem am meisten achten?
Der wichtigste Punkt ist die Substanz der Karosserie: Rost, schlechte Reparaturen und schwache Schweller/Böden können schnell teuer werden – deshalb zählen dokumentierte Karosseriearbeiten und eine saubere Struktur mehr als glänzender Lack. Danach kommen Nachweise: matching numbers, Historie, Rechnungen, Zertifikate und nachvollziehbare Besitzkette erhöhen die Glaubwürdigkeit. Technisch sind Getriebe, Differential, Kühlung und Bremsen zentrale Prüffelder, weil sie für Tourenstabilität entscheidend sind. Bei Umrüstungen (Overdrive, Edelstahlabgasanlage, Zündanlage) sollte die Qualität der Ausführung überprüfbar sein. Am Ende gilt: Ein „ehrlicher“ Wagen mit guter Dokumentation fährt meist günstiger als ein perfektes Fotoauto ohne Belege.



