Die BMW M1 aus dem Jahr 1980 gehört zu jenen Autos, die beim bloßen Anblick das Herz von Enthusiasten höher schlagen lassen. Als erstes straßenzugelassenes Mittelmotor-Modell der M-Abteilung und als einziges Serienfahrzeug mit dem internen Modellcode E26 markiert es einen Wendepunkt in der Geschichte moderner Sportwagen. Die skulpturale Karosserie, entworfen von Giorgetto Giugiaro und in Faserverbund ausgeführt, sitzt auf einem leichten Raumrahmen, der unter Mitwirkung von Giampaolo Dallara entwickelt wurde. Diese Kombination aus italienischem Design und deutscher Ingenieurskunst macht das Auto so besonders: Es ist kein rein nostalgisches Sammlerstück, sondern ein lebendiges Zeugnis einer Zeit, in der Motorsport und Straße noch unmittelbar miteinander verknüpft waren. Sein Antriebsherz ist ein 3,453 Liter großer, doppelt obenliegender Nockenwellen-Sechszylinder (BMW M88) mit Bosch-Einspritzung und einem kultivierten, zugleich scharfen Ansprechverhalten. Das Getriebe ist ein klassisches Fünfgang-Schaltgetriebe. Rein analog.
Design, Konstruktion und Motor

Äußerlich wirkt der M1 wie ein Skulpturstück auf Rädern: Giorgetto Giugiaro formte eine klare, puristische Silhouette, die in Fiberglas realisiert wurde. Die Karosserie fertigte Trasformazioni Italiane Resine, während das tragende Gerüst ein Rohbau aus einem dünnwandigen, rohrvernetzten Stahlrahmen darstellte. Unter der flachen Haube arbeitet der klassische Reihensechszylinder mit DOHC und mechanischer Präzision, dessen Leistung mit etwa 203 kW angegeben wird — was ungefähr 276 PS entspricht. Das Drehmoment beträgt circa 330 Newtonmeter, die Beschleunigung von null auf 100 km/h gelingt in rund 5,6 Sekunden, und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei etwa 260 km/h. Solche Zahlen klingen heute noch sportlich und erklären, warum der M1 einst als Rennhomologationsmodell diente. Er bildete die Grundlage für die BMW Procar Championship, in der Werksfahrer und Prominente auf identischen M1 gegeneinander antraten und Motorsportgeschichte schrieben.
Entstehung und Motorsport-Heritage

Die Geschichte des Modells reicht zurück in die späten 1970er Jahre, als BMW Motorsport das Projekt forcierte, um dem Porsche 911 die Stirn zu bieten. Ursprünglich war Lamborghini beteiligt, und der italienische Ingenieur Gian Paolo Dallara half bei der Entwicklung des Raumgestells, doch BMW übernahm schließlich die Produktion und vollendete das Konzept. Mit nur knapp 399 serienmäßigen Straßenfahrzeugen und gut fünfzig Rennvarianten ist der M1 ohnehin rar.
Provenienz und Zustand

Die Geschichte dieses speziellen Fahrzeugs macht die Emotion noch greifbarer: Das Auto wurde ursprünglich an George Roger Waters ausgeliefert und blieb mehr als vier Jahrzehnte in seinem Besitz. Sein Lack in einem seltenen Blau zählt zu nur 59 im Serienleben ausgeführten Exemplaren dieser Farbgebung und verleiht dem Wagen eine dezente, fast aristokratische Präsenz. Über die Jahre hinweg ist der M1 umfassend dokumentiert worden—mit originalen Rechnungen, Zulassungen, Prüfberichten und dem originalen Bordbuch. Solche Unterlagen sind für Liebhaber von unschätzbarem Wert, weil sie die Authentizität belegen und die Entwicklung des Autos nachvollziehbar machen. Zwischen 2006 und 2020 wurde der Wagen in Großbritannien von einer spezialisierten Werkstatt betreut, die routinemäßige Ölwechsel, Reifenservice und MOT-Prüfungen durchführte. 2021 kam der M1 in die USA, erhielt eine Überholung mit neuen Dämpfern, Bremsen, Buchsen und weiteren Erneuerungen. Die technische Betreuung durch spezialisierte Betriebe — in Großbritannien über Jahre Meridien Modena, später in den USA R&R Automotive Restorations — sorgte für konservativen Erhalt. Die Aufwendungen lagen bei über 30.000 US-Dollar. Vor größeren Auftritten wurde das Auto professionell aufbereitet; 2022 erhielt es eine Detailaufbereitung vor einem Concours-Auftritt und triumphierte in seiner Klasse beim Quail-Event. 2025 wurde das Fahrzeug erneut professionell aufbereitet; der Kilometerzähler zeigt rund 15.600 km – ein Wert, der in Verbindung mit lückenloser Dokumentation die Seltenheit und Sorgfalt im Umgang mit dem Auto betont.
Die Technik hinter dem Fahrgefühl

Das faszinierendste Detail bleibt für viele der außergewöhnliche Aufbau des M1: ein rohrvernetzter Stahlraumrahmen kombiniert mit einer leichten Faserkarosserie. Diese Architektur erlaubt eine direkte Lenkung, eine spürbar feste Karosserie und gleichzeitig ein vergleichsweise niedriges Gewicht, was das Fahrverhalten in Kurven besonders agil macht. Die Mittelmotor-Anordnung verschiebt die Schwerpunktlage unmittelbar zwischen die Achsen, wodurch Achslasten ausgewogener verteilt sind und das Auto eine für seine Zeit verblüffende Neutralität zeigt. Wer ein solches Fahrzeug bewegt, erlebt eine Verbindung von Ingenieurskunst und Rückmeldung, wie sie in modernen Serienfahrzeugen selten geworden ist. Es ist diese unmittelbare, mechanische Kommunikation, die den M1 zur Legende macht. Die Zusammenarbeit mit italienischen Spezialisten für Karosseriebau und einem unter Mitwirkung Dallaras entwickelten Raumrahmen erzeugte ein Ganzes, das sowohl auf der Straße als auch auf Rennstrecken Performance bedeutet.
Seltenheit, Leidenschaft und die Auktions-Romantik

Dieses Exemplar profitiert von seiner herausragenden Vorgeschichte. Die Kombination aus prominenter Erstbesitzerschaft, seltener Lackierung und penibler Pflege macht den Wagen zu einem Objekt der Begierde für Sammler und Kenner gleichermaßen. Es ist leicht, ins Träumen zu geraten: Sich vorzustellen, wie die Heckscheibe die Abendsonne einfängt, während der Sechszylinder sein sonores, kerniges Lied anstimmt. Der Gedanke, hinter dem Lenkrad zu sitzen und die Lenkpräzision eines Mittelmotor-Konzepts zu spüren, hat etwas fast romantisches — ein modernes Märchen über Geschwindigkeit, Handwerk und Stil. Bei einer Auktion vorzustellen, wie der Hammer fällt und dieses Stück Automobilgeschichte einem neuen Hüter anvertraut wird, verstärkt das Gefühl der Verheißung. Es wird bei RM Sotheby’s in Arizona 2026 angeboten — eine ungewöhnliche Gelegenheit zum Träumen.
Technische Daten in Kürze

Zusammengefasst bietet dieses Exemplar nahezu alles, was einen kultivierten Sportwagen ausmacht: seltene Erscheinung, konsequente Technik, umfangreiche Dokumentation und eine Servicehistorie, die Zuverlässigkeit verspricht. Technisch bleibt der M1 ein Beispiel dafür, wie kompromissloses Design, leichte Konstruktion und ein drehfreudiger Sechszylinder zu einem klaren Gesamtergebnis führen. Für Liebhaber bedeutet das nicht nur Daten und Auszeichnungen, sondern die Erfahrung von Mobilität als handwerkliche Kunst. Der niedrige Kilometerstand von rund 15.600 km ist dabei mehr als eine bloße Zahl: Er ist Ausdruck eines sorgsamen Umgangs, der dem Fahrzeug erlaubt hat, seine Integrität zu bewahren. Wer in solchen Momenten ins Träumen gerät, versteht, weshalb Klassiker wie dieser die Seele der automobilen Leidenschaft verkörpern. Die Kombination aus Originalität, gepflegtem Zustand und technischer Substanz macht dieses Auto zu einem Juwel unter den Mittelmotor-Klassikern. Preis: €470.000–550.000 in Euro.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges



