Rotes Blech, beiges Leder und diese langen, klaren Linien: Der 1969 Aston Martin DBS wirkt wie ein Versprechen auf große Wege. Als 2+2‑Coupé mit zwei Türen und Rechtslenkung vereint er britische Grandezza mit technischer Geradlinigkeit. Sein Herz ist der originale Reihensechszylinder mit 3,995 Liter Hubraum, gekoppelt an ein handgeschaltetes ZF-Fünfganggetriebe – eine Kombination, die den Charakter dieses Grand Tourers prägt. Mit nur 38.625 Kilometern zeigt dieser DBS, wie Zeitpatina und Sorgfalt harmonieren können. Das Fahrzeug präsentiert sich als hochgradig original, zugleich jedoch sympathisch überarbeitet: genau dort, wo es der Erhalt der Substanz verlangt. Benzin im Tank, vier Sitze an Bord, klare Kante im Design – dieser DBS erinnert daran, warum klassischer Automobilbau eine eigene Form von Kulturgeschichte ist.
Design-Ikone mit klarer Kante und Fastback-Silhouette

Der Aston Martin DBS wurde im September 1967 im ehrwürdigen Ambiente von Blenheim Palace präsentiert – als moderner Nachfolger des DB6. Entworfen von William Towns, schlug er optisch eine neue Seite auf: Die fastbackartige Coupé-Linie, der vollflächige Kühlergrill und vier eigens in die Front integrierte Scheinwerfer gaben dem Wagen eine entschlossene, zeitgemäße Präsenz. Die Proportionen sitzen: 4,585 Meter Länge, 1,829 Meter Breite und 1,327 Meter Höhe verleihen dem Auto eine flache, muskulöse Haltung auf der Straße. Der Radstand von 2,61 Metern unterstreicht den GT-Anspruch – genug Raum für zwei bequeme Vordersitze und zwei Plätze im Fond. Bemerkenswert in der Markenchronik: Der DBS war das letzte Modell, das unter dem Eigentümer David Brown entstand; sein Kürzel lebt im Namen fort. Eine Volante-Serienversion existierte nicht, der DBS blieb als geschlossener GT eine klare Ansage.

Technik: Reihensechser, fünf Gänge, Substanz für große Touren

Technisch knüpft der 1969 Aston Martin DBS an die besten Traditionen an: Der doppelnockenwellige 4,0‑Liter-Reihensechszylinder entstammt der Schule des DB6 und verbindet Laufkultur mit souveräner Kraftentfaltung. Je nach Ausführung stehen 282 PS bei 5.500/min (mit Dreifach-SU‑Vergasern) oder 325 PS bei 5.750/min im Vantage‑Trimm (mit Weber‑Vergasern) zur Verfügung; das maximale Drehmoment liegt in der Standardkonfiguration bei etwa 390 Nm um 3.850/min. Im vorliegenden Fahrzeug arbeitet das originale Aggregat mit dem ZF-Fünfgang-Schaltgetriebe zusammen – eine mechanische Einheit, die sich in jeder Bewegung nach echter Ingenieurskunst anfühlt. Rund 1.705 Kilogramm Leergewicht treffen auf einen 95‑Liter-Tank: die klassischen Ingredienzen eines Reisesportwagens, der nicht nur die Kurve, sondern auch den Horizont sucht. Optional war einst eine Borg‑Warner‑Automatik erhältlich; doch der Schalt-DBS ist die puristische Wahl.
Faszinierendes Detail: De‑Dion-Hinterachse und Fahrkultur

Wer den 1969 Aston Martin DBS jenseits der Daten begreifen möchte, sollte einen Blick auf die De‑Dion-Hinterachse werfen. Dieses Konstruktionsprinzip, im Serienbau selten und bei GTs von besonderem Reiz, zielt auf beständige Radführung und ein ruhiges, präzises Abrollen – genau jene Eigenschaft, die lange Etappen so mühelos wirken lässt. In Verbindung mit dem langen Radstand und der handfesten Übersetzung des ZF-Fünfganggetriebes entsteht eine Fahrkultur, die zwischen Contenance und Charakter wechselt: gelassen auf der Landstraße, straff und kontrolliert, wenn der Asphalt enger wird. Vier Sitze und 2+2‑Praktikabilität machen den DBS zum Reisepartner, der klassische GT‑Ideen in alltagstaugliche Form gießt. Und weil dieser Wagen als Rechtslenker die britische Herkunft betont, steckt im Blick über die lange Motorhaube immer auch ein Hauch Inselromantik.
Originaltreue, die man sieht: behutsam überarbeitet

Der Reiz dieses Exemplars liegt in seiner Authentizität: Es wurde behutsam, aber gezielt erneuert, um den Charakter zu bewahren. Die Innenausstattung erhielt eine vollständige Auffrischung durch Aldridge Trimming; außen sorgte eine kosmetische Überarbeitung von VRV Automobiles für stimmige Anmutung. Arbeiten am Motor erfolgten in der Vergangenheit bei Spencer Street Garage – ein wichtiger Baustein, damit der Reihensechser so läuft, wie er soll. All das steht im Dienst der Substanz: ein hochgradig originales Fahrzeug, dessen Identität durch Fahrgestellnummer DBS/5240/R und Motornummer 400/3836/R greifbar bleibt. Die Kombination aus roter Außenfarbe und beigem Leder verleiht dem Coupé eine klassische, fast filmische Aura. Dass der Kilometerstand von 38.625 Kilometern die sorgsame Nutzung spiegelt, passt zum Bild: Hier wurde nicht dem schnellen Effekt vertraut, sondern der stillen Qualität.




Rarität mit Geschichte – und heute begehrenswert
Zwischen 1967 und 1972 entstanden lediglich 803 Exemplare des Aston Martin DBS – Zahlen, die die Exklusivität dieses Kapitels der Markengeschichte unterstreichen. Als letzter Aston Martin der David‑Brown‑Ära markiert der DBS einen Wendepunkt: Der Name bleibt, die Formensprache bricht auf. Im Alltag überzeugt das 2+2‑Layout, auf Reisen die Reichweite des 95‑Liter-Tanks, und im Detail die haptische Freude des ZF‑Schaltgetriebes. Gerade dieser Wagen verbindet Historie und Gegenwart in seltener Stimmigkeit: Er ist aktuell im Markt zu finden, ohne seine Würde als Kulturobjekt zu verlieren. Wer sich für klassische Mobilität interessiert, erkennt hier die Quintessenz eines Grand Tourers – ein Auto, das die Landschaft in Etappen erzählt und die Technik als Teil der Erzählung begreift. Am Ende bleibt die leise Idee, dieses Kapitel selbst fortzuschreiben: Der aufgerufene Preis liegt bei rund 115.000 Euro.
Bilder: Anbieter des Fahrzeuges
FAQ
1) Warum gilt das ZF-Fünfganggetriebe im DBS als so wichtig für den Charakter des Fahrzeugs?
Das handgeschaltete ZF-Fünfganggetriebe macht den DBS nicht nur „sportlicher“, sondern definiert, wie sich dieser Grand Tourer anfühlt: Jede Schaltbewegung ist Teil der Mechanik-Erfahrung, die bei klassischen GTs zur Faszination gehört. In Kombination mit dem drehmomentstarken 4,0‑Liter-Reihensechszylinder entsteht ein Fahrstil, der sowohl entspannte Langstrecke als auch engagiertes Fahren auf kurvigen Straßen zulässt. Fünf Gänge bedeuten dabei eine feinere Abstufung als bei vielen Zeitgenossen – hilfreich, um den Motor im passenden Drehzahlbereich zu halten und die Reisesouveränität zu unterstreichen.
2) Was sagt „hochgradig original, aber behutsam überarbeitet“ konkret über Zustand und Alltagstauglichkeit aus?
„Hochgradig original“ bedeutet hier: Identität, Technikbasis und Historie bleiben erkennbar und nachvollziehbar – bis hin zu Fahrgestell- und Motornummer. „Behutsam überarbeitet“ zeigt zugleich, dass Erhalt nicht mit Stillstand verwechselt wurde: Innenraum, Kosmetik und frühere Motorarbeiten wurden gezielt angegangen, um Substanz zu schützen und Nutzung zu ermöglichen. Für Interessenten ist das oft ein guter Mittelweg: Der Wagen wirkt nicht steril restauriert, trägt aber auch nicht die Risiken eines ungepflegten Originals. Wichtig ist, solche Arbeiten als Dokumentation zu verstehen: Wer fährt, will Zuverlässigkeit; wer sammelt, will Authentizität.
3) Ist der DBS eher Sammlerstück oder ein Auto für lange Touren – und welche Merkmale sprechen wofür?
Der DBS kann beides, weil sein Konzept genau zwischen Kulturgeschichte und Gebrauchswert liegt. Als Sammlerstück punktet er mit Seltenheit (nur 803 Exemplare), der Bedeutung als letztes David‑Brown‑Modell und dem markanten William‑Towns‑Design. Als Reisewagen überzeugen handfeste Fakten: 2+2‑Layout, 95‑Liter-Tank, langer Radstand und die De‑Dion-Hinterachse, die auf Ruhe und präzise Radführung zielt. Entscheidend ist die Perspektive: Wer ihn als Objekt sieht, achtet auf Originalität, Historie und korrekte Details. Wer ihn fährt, schätzt die GT‑Ergonomie, den Sechszylinder-Charakter und die Gelassenheit auf langen Etappen.



